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Fair Fashion Week: Arbeit & Natur

Fair Fashion Week: Arbeit & Natur

Um uns diesem Thema zu widmen, müssen wir erst einmal tief in die Wertschöpfungskette der Textilindustrie eintauchen:
Für alle Faserstoffe, aus denen später die textilen Flächengebilde (Stoffe) entstehen, müssen Ausgangsstoffe gewonnen oder angebaut werden. Man unterscheidet dabei zwischen natürlichen (gewachsenen) Faserstoffen, chemischen und mineralischen, wobei wir letztere außen vor lassen, da sie kaum von Bedeutung sind. Bei den natürlichen Faserstoffen gibt es tierische (Wolle, Seide) und pflanzliche (Baumwolle, Leinen) Fasern. Viskose und alle Markennamen (z.B. Modal) bilden dabei eine Hybridfaser, da das Ausgangsmaterial Cellulose pflanzlich ist, der komplette Prozess der Faser-Entstehung aber dem der Chemiefasern gleicht. Bei Chemiefasern bestehen die Ausgangsstoffe wie beim Plastik aus Rohöl.
Bei den Naturfasern ist bereits die Gewinnung sehr arbeitsintensiv und ökologisch oft fragwürdig. Hier gibt es bereits die ersten Probleme mit Pestiziden, Arbeitsbedingungen und Wasserverbrauch. Bei den Chemiefasern ist die Erdölindustrie nicht unbedingt als wahrer Sympathieträger in Sachen Umweltschutz bekannt.
Die anschließenden Prozesse vom Ausspinnen der Fasern bei Chemiefasern und Reinigung und Verspinnung von Naturfasern läuft hauptsächlich maschinell ab und ist RELATIV neutral zu bewerten, da es ein sehr professionelles Arbeitsumfeld und Wissen erfordert, sowie aktuelle Maschinen über Kreislaufsysteme für Chemikalien und Abwasser verfügen.
Nachdem wir einzelne Fasern gewonnen haben werden diese nun zu Garn weiterverarbeitet und später verwebt oder gestrickt. Alles läuft mittlerweile vollautomatisch ab und auch hier ist der Einfluss auf Umwelt und Arbeit gering.
Problematisch wird es, sobald Handarbeit ins Spiel kommt. Während es beim Zuschnitt mittlerweile auch viel Automatisierung Einzug erhält, ist die Konfektion, also das Zusammensetzen der einzelnen Teile zum fertigen Kleidungsstück, hauptsächlich Handarbeit.
Zwar gibt es mittlerweile unglaublich viele Automaten und Maschinen, die viele Arbeitsschritte automatisieren, Kleidungsstücke müssen aber immer noch, so simpel sie auch sein mögen, per Hand genäht werden. Weil in modernen Nähfabriken jeder Schritt getrennt genäht wird, sind die Anforderungen an die Näher*Innen sehr gering und von quasi jedem Menschen auszuführen. Der geringe Bildungsanspruch für diese Arbeiten führt leider oft zu Ausbeutung.
Noch gar nicht gesprochen haben wir über Färberei, denn die kann sowohl beim Garn, beim Stoff oder nach der Konfektion stattfinden. Färberei ist leider traditionell ein großer Umwelteinfluss:
“An der Farbe der Flüsse in Bangladesch erkennt man die Modefarbe der nächsten Saison” ist dabei eine nicht ganz unwahre Aussage.
Was oft vergessen wird: Die Auswirkung von Bekleidung auf unsere Umwelt und Arbeitswelt endet nicht mit der Fertigstellung eines Kleidungsstücks. Verpackung, Transport und Reinigung machen einen Großteil dessen aus, was ein Kleidungsstück in seiner Lebenszeit an CO₂ Emissionen erzeugt. Auch die Arbeitsbedingungen bei Billigmodeketten und Discountern in der westlichen Welt sind oft fernab von fair – der niedrige Preis führt zu einer sehr geringen Nutzungsdauer. Nach dieser kurzen Lebenszeit, auch aufgrund minderwertiger Qualität, wird ein Großteil der Bekleidung entsorgt. Recycling ist kaum möglich oder zu aufwendig im Gegensatz zur Neuproduktion.
Nun haben wir ungefähr eine kleine Ahnung davon, wie Bekleidung funktioniert und wie sich die Abläufe gestalten. Umwelteinflüsse ließen sich durch höhere Auflagen und technischen Fortschritt minimieren. Bei den Arbeitsbedingungen ist das schon etwas komplexer. Neben Bildungsangeboten, funktionierenden Gewerkschaften und Tarifverträgen ist auch die Arbeitssicherheit in den Hersteller-Ländern zu verbessern.
Macht man sich die Auswirkungen bewusst, liegt es auf der Hand, dass das eigentliche Problem der viel zu geringe Preis ist, an den Konsumenten mittlerweile gewöhnt sind. Durch verheerende Unfälle wie dem in Rana Plaza wurde viel Aufmerksamkeit auf die Bedingungen gerichtet, unter denen unsere Bekleidung hergestellt wird. Auch wenn diese mittlerweile vielen Menschen bekannt sind, ist es trotzdem schwer die vorherrschenden Zustände zu ändern. Wie man selbst aktiv werden kann, könnt ihr morgen an gleicher Stelle nachlesen!
In der Zwischenzeit lege ich euch einen Film ans Herzen, den man nur sehr schwer ertragen kann, der aber die Umstände sehr treffend darstellt. “The True Cost” gibt uns einen Einblick in das Leben, dass Näher*innen führen und was für Opfer sie erbringen unter erniedrigenden Bedingungen für den so geringen Nutzen von Wegwerf-Kleidung. Wer genau wissen will, wie die Situation in Bangladesch und co aussieht: Reinschauen lohnt sich allemal!

https://www.youtube.com/watch?v=NDx711ibD1M

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