GOTS steht für Global Organic Textile Standard. Dieser ist als weltweit führender Standard für die Verarbeitung von Textilien aus biologisch erzeugten Naturfasern anerkannt. Er definiert die umwelttechnischen Anforderungen entlang der gesamten textilen Produktionskette und gleichzeitig die einzuhaltenden Sozialkriterien. Die Qualitätssicherung erfolgt durch eine unabhängige Zertifizierung der gesamten Textil-Lieferkette.

Im Folgenden haben wir die Rechte und Pflichten zusammengefasst, die eine GOTS-Zertifizierung mit sich bringt und erklären, warum wir uns zunächst ‚nur’ bei der Wollwalk-Kollektion 2020 für das Siegel entschieden haben.

- Grundsätzlich müssen alle Produkte, die das GOTS-Siegel tragen, mindestens zu 70 Prozent aus biologisch erzeugten Naturfasern bestehen. Das Siegel trägt dann die Bezeichnung „hergestellt aus X % kbA/kbT Fasern“.
- Für die strengere GOTS-Kennzeichnung ‚Bio’ und ‚kbA/kbT’ ist ein Anteil von 95 Prozent biologisch erzeugter Naturfasern erforderlich.
- Giftige Schwermetalle, Formaldehyd, funktionelle Nanopartikel oder gentechnisch veränderte Organismen sind bei der Herstellung verboten, ebenso wie Accessoires aus PVC, Nickel oder Chrom.
- Der Einsatz von Wasser und Energie muss entlang der Lieferkette dokumentiert werden, um die Umweltfolgen in diesem für die Textilproduktion besonders relevanten Bereich verbessern zu können.
- Die Mindestkriterien der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) müssen eingehalten werden. Darüber hinaus gelten bestimmte Grenzwerte bei Rückständen zum Schutz der Arbeiterinnen und Arbeiter.
- Alle Betriebe innerhalb der Lieferkette müssen zertifiziert sein und sich einmal jährlich einer Vor-Ort-Inspektion unterziehen, damit Endprodukte das GOTS-Siegel tragen dürfen. Ab einem bestimmten Liefervolumen müssen auch wir uns als herstellender Einzelhändler zertifizieren lassen.

Die jährlichen Kosten einer GOTS-Zertifizierung belaufen sich auf rund 1.200 bis 3.000 Euro. Dies ist vor allem für kleinere Hersteller und Unternehmen innerhalb der Lieferkette ein nicht zu vernachlässigender Faktor. Ein Produkt darf das Siegel nur tragen, wenn jeder Schritt in der Kette zertifiziert wurde. Teilweise verfügen involvierte Schnittstellen (z. B. Stoffe oder Lieferanten) bereits darüber, wir dürfen dies aber nicht kommunizieren solange nicht die gesamte Lieferkette betroffen ist. Das ist u. a. auch ein Grund, warum (noch) nicht alle unsere Produkte GOTS zertifiziert sind – auch wenn wir grundsätzlich eine ökologisch und sozial einwandfreie Herstellung bei allen unseren Produkten garantieren.

Da unser neuer Wollwalk-Hersteller in Portugal bereits GOTS zertifiziert ist, haben wir uns dazu entschlossen, in der Herbst/Winter-Saison 2020 erste Schritte mit diesem Siegel zu gehen. Auch wenn unsere Meinung nach die Sozialstandards optimiert werden dürften und wir die Preispolitik von Zertifizierungen kritisch sehen, überwiegen für uns die Vorteile als erstes Unternehmen eine komplette Wollwalk-Kollektion mit GOTS-Zertifizierung anbieten zu können. Damit können wir einmal mehr unter Beweis stellen, wie wichtig uns der Weg zu einer bewussteren und ökologischen Bekleidungsindustrie ist.

Übrigens: Was im Rahmen der GOTS-Zertifizierung nicht berücksichtigt werden kann, ist die Weiterverwendung und Verarbeitung von recyceltem Material, welches den Anforderungen des Siegels nicht entspricht. Recyceltes Material ist für uns jedoch ein wichtiger Aspekt im Hinblick auf Nachhaltigkeit und bleibt daher weiterhin Bestandteil unseres Produktportfolios – auch wenn diese Produkte keine GOTS-Zertifizierung erhalten können.