Wie durch Vorbestellungen kleinen Unternehmen geholfen und die Bekleidungsindustrie umkrempelt wird

Vorbestellungen schonen Ressourcen und helfen uns besser zu planen. Wir betrachten, weshalb genau und warum das eigentlich nur Vorteile bringt! Deshalb schauen wir uns an, wie der ganze Zirkus sonst eigentlich funktioniert:

Mode ist ja bekanntlich schnelllebig und unberechenbar. Wie also planen wir die nächste Kollektion, den nächsten Release, den nächsten Trend? Oft wünscht man sich eine Kristallkugel, um die Nachfrage zu einem bestimmten Zeitpunkt einschätzen zu können. Es sind so viele Dinge zu beachten und wenn man alles bedacht hat, kommt dann ein Virus dazwischen und bringt die ganze Welt durcheinander. Wir wollen uns nicht beschweren, nur einen Ausweg finden und außerdem unseren Leitlinien treu bleiben: Nachhaltigkeit in jedem Schritt implementieren.

Normalerweise funktioniert die Bekleidungswelt folgendermaßen: Auf Messen werden die neusten Kollektionen ½ - 1 Jahr vor Veröffentlichung dem ‘Fachpublikum’ vorgeführt: Händlern, Presse, Großkunden. Diese bestellen für den besagten Zeitraum ausgewählte Artikel, je nachdem was sie in ihren Augen gut verkaufen können – auch hier mit Hilfe der Kristallkugel. Je mehr Kunden das tun, desto klarer und deutlicher wird das Bild, was der jeweilige Hersteller/die jeweilige Marke in welchem Umfang für welchen Termin bestellen sollte. Wir sehen also bereits: Ganz schön viele WENNs und ABERs. Auch große Ketten verfahren nach ähnlichen Methoden, setzen aber auch gezielt auf Trendforschung und Marketing: Sie sagen was cool und was begehrlich ist und schaffen somit Trends und Nachfrage.

Beide Methoden bedienen allerdings nicht direkt den*die Kunden*in, sonder kalkulieren und versuchen herauszufinden, was diese*r wohl kaufen würde. Auch wir haben bisher so versucht zu handeln, wobei wir festgestellt haben: Die Sachen, die ein stationärer Laden verkauft, sind nicht unbedingt die Teile, die wir online verkaufen. So haben wir teilweise noch Artikel aus vorangegangenen Kollektionen auf Lager, die wir bisher nicht verkaufen konnten.

Für uns ist das ein kalkuliertes Übel, denn wir sind nicht unbedingt darauf angewiesen, die Artikel auch schnellstmöglich los zu werden. Aber auch für uns heißt das: Investition, die im Lager liegt, tendenziell Platz weg nimmt und Kapital bindet.

Für andere Marken, vor allem für solche, die sehr knapp kalkulieren, heißt das aber: So schnell wie möglich alles loswerden und vor allem: schnell neue Ware in den Laden bringen, um die Kundschaft bei Laune zu halten. Denn Fast Fashion bedeutet vor allem auch ständig neue Artikel anzubieten, um den Konsum aufrecht zu erhalten.

Warum also nicht einen Schritt zurücktreten und alles etwas anders aufrollen? Wir haben daher ein Pre-Order-System eingeführt, über das Kund*innen bereits jetzt ausgewählte Artikel aus der kommenden Herbst-Winter Saison bestellen können. Gezahlt wird jetzt, geliefert in erst im Spätsommer zum Start der Saison.Mit dieser Möglichkeit Artikel vorzubestellen verfolgen wir mehrere Ziele:


- Überproduktion vermeiden: Nur das produzieren, was wirklich verlangt wird. Das spart Ressourcen sowie Transport- und Lagerkapazitäten

- Entschleunigung des Modemarktes: Commitment für bestimmte Artikel, Styles und Farben festigen den eigenen Stil und das Selbstbewusstsein.

- Vorfreude auf schöne Dinge fördern: Begehrlichkeit schaffen und die allgegenwärtige Verfügbarkeit ausbremsen

- Nachhaltige Nachfrage: Wer bereit ist so lange auf ein Kleidungsstück zu warten, wird es besser wertschätzen, pflegen und kauft es weniger aus einem Impuls heraus

- Genauere Kalkulation: Wir wachsen und brauchen eine valide Planung unserer Finanzen, um uns finanzieren zu können. Mit den Vorbestellungen helft ihr uns, unsere Ideen und Werte aufrecht zu erhalten.

- Sichere Arbeit für alle: Mit einer Vorbestellung sichert ihr die Arbeit aller an der Produktion beteiligter für die Zukunft.

- Garantierte Lieferung: Wer vorbestellt, kann sicher sein, dass das Lieblingsteil auch ankommt und nicht direkt ausverkauft ist.


Nachteile der Vorbestellung sind genau die gegenteiligen der oben genannten Punkte: relativ lange Wartezeiten, Unsicherheit ob einem das Produkt noch gefällt, wenn es da ist und das Geld, welches man schon jetzt dafür ausgibt. Klar, die ersten beiden Argumente können wir schlecht widerlegen, es ist immer eine Frage wie man wohl in naher Zukunft drauf ist, ob man zwischendurch was besseres/anderes findet oder ob man es denn wirklich braucht…

Zugegebenermaßen ist das etwas, mit dem wir uns bisher, was Bekleidung angeht, nicht zu sehr auseinander setzen mussten. Man plant Urlaube, Veranstaltungen oder das Essen für die nächste Woche. Das Outfit ist eher eine Entscheidung der Laune, der Verfügbarkeit und sehr kurzfristig. So ist auch der Modekonsum in den letzten Jahren immer spontaner und dadurch unberechenbarer geworden. Aber auch hier findet langsam ein Umdenken statt. Auf Kickstarter und anderen Plattformen gibt es immer mehr finanzierte Bekleidungsprojekte. Und auch verschiedenste Marken benutzten das Konzept, um ihre Mode besser planen zu können. Wer also die Modeindustrie durch seinen*ihren Konsum verbessern möchte, der*die kann auch mit einer Vorbestellung etwas zum Wandel beitragen. Denn dadurch werden nicht nur Ressourcen gespart, weil nur Artikel hergestellt werden die tatsächlich verkauft werden. Wie zur Zeit der Fall können die Marken ihre Hersteller nicht bezahlen oder haben ihre Bestellungen zurückgezogen. Für die sowieso schon chronisch schlechten Arbeitsbedingungen in der Bekleidungsindustrie ein weiterer Tiefpunkt. Stellen wir uns vor die Ware, die jetzt bestellt würde wäre schon verkauft per Vorbestellung: Alle Arbeitsplätze wären gesichert und auch die Fabriken könnten weiter existieren. Genauso müssten nicht Waren vernichtet werden, die in den letzten beiden Monaten nicht in die Läden geliefert werden konnten.

Es gibt deshalb bereits Stimmen, die über das kurze Innehalten der Industrie froh sind und sich für eine Veränderung einsetzen. Endlich eine Gelegenheit die bisherigen Geschäftsmodelle zu überdenken – hoffentlich!